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Bürgermeisterkandidaten diskutieren im Kaiserhaus: Digitalisierung und Arnsbergs Weg nach 2020 im Fokus

Auf Einladung des Digitalen Forums Arnsberg diskutierten in dieser Woche die vier Arnsberger Bürgermeisterkandidaten. Im Kaiserhaus an der Möhnestraße stand für Ralf Bittner, Peter Erb, Emilio Peluso und Reinhard Wilhelm das Thema "Digitalisierung" im Fokus. Unterschiedliche Meinungen waren eher selten zu hören, kleine Nuancen vermittelten des fast 300 Zuhörern aber ein gutes Bild von den Kandidaten und ihrer persönlichen Präsentation.

Neheim. Das Thema „Digitalisierung“ stand jetzt im Mittelpunkt einer weiteren Podiumsdiskussion, zu der die vier Arnsberger Bürgermeisterkandidaten vom Digitalen Forum Arnsberg (DFA) in das Kaiserhaus eingeladen waren. Michaela Padberg (WDR) moderierte eine muntere Diskussionsrunde, die auch mit Missverständnissen zu kämpfen hatte. Krasse inhaltliche Unterschiede durften zu diesem Thema nicht erwartet werden, uns so waren es eher die Zwischentöne, die den rund 250 Zuhörern ein gutes Bild von den Kandidaten vermittelten.

„Digitalisierung“ – das Schlagwort dieser Tage – zog zahlreiche Zuhörer in den Saal des Neheimer Kaiserhauses. Aus allen Gruppen der Gesellschaft wollten sich Vertreter von Wirtschaft, Politik, Schulen, Lokalpolitik und Bürger die Veranstaltung nicht entgehen lassen. Bis auf den letzten Platz gefüllt, wurde das große Interesse am Thema deutlich. Für Ralf Paul Bittner (SPD), Peter Erb (parteilos, von CDU und Grünen aufgestellt), Emilio Peluso (Afd) und Reinhard Wilhelm (Familienpartei) eine Gelegenheit, nicht nur ihre Positionen zum Thema darzulegen, sondern sich abermals vor Publikum und im Kreise der politischen Mitbewerber zu präsentieren.

Politische Mitbewerber präsentieren sich

So arbeitete die Podiumsdiskussion des Digitalen Forums Arnsberg mit Hilfe der Moderation die großen Themen aus dem Bereich der Digitalisierung ab: Schule, Verwaltung, Industrie und Handel wurden auf ihr Verhältnis zur Digitalisierung hin besprochen, aber längst kamen aus dem Kreise der Zuhörer auch Fragen aus anderen Gebieten der Gesellschaft. Und immer wieder bekamen sowohl die Kandidaten als auch die Zuhörer der Diskussion die vorher in kleinen Filmen angefragten Meinungen, Fragen und Einschätzungen von Passanten, Unternehmern oder Lehrern zu hören.

Arnsbergs Chancen darauf, bei den digitalen Bürgerrechten Vorreiter zu sein, sieht der SPD-Kandidat um das Amt des Bürgermeisters, Ralf Paul Bittner. Digitalisierung bedeute für ihn aber mehr als nur Technik. Eine „Projektgruppe Breitbandausbau“ solle sich um nötige Voraussetzungen dafür kümmern, ein Kompetenzzentrum im Rathaus zum Ansprechpartner für alle werden. Die Digitalisierung in Arnsberg umzusetzen, müsse aber auch bedeuten, auf die Menschen ohne große Kenntnisse Rücksicht zu nehmen. Dazu gehöre, den Service über die Stadtbüros künftig nicht nur digital abzuwickeln, sondern weiterhin soziale Kontakte zu ermöglichen.

Nachholfbedarf bei Digitalisierung an Schulen

Bei der Digitalisierung der Schulen gebe es großen Nachholbedarf, schon in zwei Jahren sollen vor allem die Sekundarschulen einen Breitbandanschluss auf brauchbarem Niveau nutzen können. Die Stadt müsse für den Anschluss und die Hardware als Träger sorgen, die Medienkompetenz dazu bei Lehrern und Schülern gestärkt werden. Die Betreuung der Technik für Schulen will Bittner sofort personell verstärken. Bei einer besseren Vernetzung der Industrie solle das angeregte Kompetenzzentrum in die Pflicht genommen werden. Mit den Anbietern der Leitungskapazitäten müssen verhandelt werden. Arnsberg solle die Chance auf seine Führungsrolle bei der Digitalisierung wahren. Dazu will der SPD-Kandidat auch auf interkommunale Zusammenarbeit setzen. Über eine „Innovationsbrücke“ ins Ruhrgebiet und einer erlebbaren Steigerung der Attraktivität von Arnsberg könne man Fachkräfte für die Region am besten sicher binden, so Bittner.

Der Einzelhandel müsse das Adrenalin der Innenstädte bleiben, bemühte Bittner ein Zitat. Die städtische Lebensader müsse gestärkt werden, nur über einen starken Offline-Handel könne Arnsberg die „Emotionsführerschaft“ erlangen. Online- und Offlinehandel sollten aber nicht im Gegensatz zueinander stehen. Zur Umsetzung eines geeigneten Stadtmarketingkonzeptes will Bittner einen Stadtmarketingmanager direkt an den Bürgermeister anschließen. Die verschiedenen Stadtteilmarketings in Arnsberg sollten zudem zusammengeführt werden, um Arnsberg entsprechend nach außen zu präsentieren. Bis 2020 müsse der Mensch offline und online weiter im Mittelpunkt stehen. Um die Digitalisierung an den Bürger zu bringen, soll die Verwaltung entsprechend angepasst werden. Ratssitzungen sollen künftig über Videostream verfolgt werden können. Die Entwicklung von Arnsberg müsse aber stets dem Anspruch folgen, einen Stadt zu bleiben, in der man auch in Zukunft leben wolle.

Verschiedenen Gruppen der Gesellschaft gerecht werden

Der parteilose Peter Erb, der zur Kandidatur von CDU und Grünen im Arnsberger Rat aufgestellt wurde,  will bei der Digitalisierung den unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft gerecht werden und ihren Anliegen zuhören. Es gelte eine Vernetzung herzustellen und zu klären, was gewollt und gebraucht werde. Die Ausbildung über Schule und Beruf solle dabei mitgenommen werden. Erb zeigte sich überzeugt, dass man sich die Verbreitung der Digitalisierung nicht aussuchen könne. Die Verwaltung der Stadt solle jedoch dem Bürgerwunsch folgen und ihre Dienste optimieren. Man müsse alle Möglichkeiten sehen, die Digitalisierung solle das Leben schließlich einfacher machen. Menschen ließen sich aber nicht in digitalisierungsfähige oder digitalisierungsunfähige Bürger spalten.

Die richtige Ausstattung der Gesellschaft für Digitalisierung müsse zu einer gesellschaftlichen Aufgabe werden. Dem schnellen Veralten der Technik lasse sich mit der Nutzung eigener Geräte, aber der Verwendung einer gemeinsamen Software entgegen wirken. Die Handlungsmöglichkeiten für Bürgermeister, den Ausbau der erforderlichen Kapazitäten zu beeinflussen, hält Erb für begrenzt. Nach einer vernünftigen Bestandsaufnahme könne aber der Druck auf die Netzbetreiber erhöht werden. Um Fachkräfte in der Stadt zu halten oder sie für die Stadt zu gewinnen, sei es wichtig, Arnsberg interessant zu machen. Positiv über die Stadt zu reden, gehöre dazu. Die Digitalisierung im Online-Handel sei nicht zurückzudrehen, deshalb müsse eine Verknüpfung von Online- und Offlinehandel im Vordergrund stehen. Der Arnsberger Einzelhandel sollte versuchen, sich mit einer lokalen Plattform gegen die großen Online-Händler zu stellen. Der Handel vor Ort komme ohne Onlinepräsenz nicht mehr zurecht, gleichzeitig müsse aber auch das Einkaufserlebnis vor Ort gestärkt werden. Die Entwicklung bis 2020 sehe er als einen Prozess, der nur gemeinsam gestaltet werden könne, vom künftigen Bürgermeister aber begleitet und getrieben werden müsse.

Prozess nur gemeinsam zu gestalten

Emilio Peluso, der mit der Afd das Amt des Bürgermeisters anstrebt, sprach sich dafür aus, vor allem in den Gewerbegebieten für schnelles Internet zu sorgen. Auch wenn die Digitalisierung Arbeitsplätze kosten werde, würden auch wieder neue durch sie geschaffen, so Peluso. Bedenken äußerte er bei der Finanzierung der Digitalisierung: Die entstehenden Kosten müssten an anderer Stelle wieder eingespart werden. Die Verwaltung der Stadt solle durch eine geänderte Ausbildung auf den neuesten Stand gebracht werden. Er befürchte aber, dass gerade ältere Mitarbeiter nicht genug geübt dafür seien. Entscheidend bei der Umsetzung der Digitalisierung in der Gesellschaft sei jedoch, dass der persönliche Kontakt weiter bestehe.

Die Schulen in der Stadt sollten auf jeden Fall digital ausgerüstet werden. „Digitalisierung“ müsse zudem als Schulfach gestärkt werden, um die Schüler zu trimmen. Zur Frage nach den Fachkräften sieht Peluso Versäumnisse in der Stadt: Arnsberg sei nicht attraktiv genug, und man müsse fragen, ob im Bereich von Kita, Wohnraum oder Kultur schon alles Nötige getan worden sei. Mit Blick auf den Handel stellte der AfD-Kandidat den Nutzen des Einkaufens vor Ort heraus. Persönliche Beratung und Service müsse in den heimischen Läden gehalten werden, ohne die die Städte vom Aussterben bedroht wären. Peluso sagte, er sei kein Freund der Digitalisierung wolle sich aber für sie einsetzen.

Nutzen des Einkaufens vor Ort sehen

Reinhard Wilhelm, der mit der jüngst gegründeten Familienpartei Arnsberg in das Rennen um das Bürgermeisterbüro geht, nutzte die Chance, zum Thema „Digitalisierung“ die Idee seines „Digitalen Bürgerrates“ zu bekräftigen. Ziel müsse sein, den Bürgern in Arnsberg mehr Mitsprache bei politischen Prozessen zu geben. Generell, so Wilhelm, sehe er eine grundlegende Veränderung der Arbeit in der Verwaltung, ihr menschliches Gesicht soll jedoch für die die Bürger weiter erkennbar sein. Die Arbeit z.B. in den Bürgerbüros der Stadt sollte entsprechend angepasst werden. Im Bereich der Bildung schlug Wilhelm vor, Kinder vor allem über die Vermittlung von grundlegenden Fähigkeiten zukunftssicher zu machen. Dazu müsste die technisch nötige Ausstattung aber nicht generell von der Kommune gekauft werden, Tabletts könnten auch von zuhause mitgebracht werden.

Zur Anwendung von Digitalisierung schlug Wilhelm vor, aus dem Gedanken der Solidarität heraus, innerhalb der Gesellschaft durch gegenseitige Unterstützung Bildungsziele auch für Erwachsene zu erreichen. Der Industrie müsse die nötige Infrastruktur für digitale Anbindung geschaffen werden. Ob die Stadtwerke jedoch selber in die Verlegung von Glasfaserkabel einsteigen sollten, müsse rein wirtschaftlich gerechnet und geprüft werden. Um Fachkräfte für die Digitalisierung zu gewinnen, sieht Wilhelm eine Chance bei den Zuwanderern. Über entsprechende Angebote in Arnsberg könne man zudem auch junge Familien in die Stadt holen oder dort halten. Er warb ferner dafür, die Stadt zu einem Erlebnisort für den Einkauf zu machen, was in Neheim ja bereits gut funktioniere, so Wilhelm.