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Evangelische Kirchengemeinde Neheim sieht große Chancen in der Ökumene: Reformationsjubiläum im Zeichen einer Kirche im Wandel beendet

Dr. Udo Arnoldi sowie Karl-Georg Wuschansky und Alexander Still vom Presbyterium der Neheimer Kirchengemeinde blickten jetzt auf das Reformationsjubiläum zurück und für die Kirchengemeinde nach vorn. Foto: Albrecht

Das Reformationsjubiläum 2017, das auch in der evangelischen Kirchengemeinde Neheim mit zahlreichen Veranstaltungen begangen wurde, hat der Kirche vor allem in Sachen "Ökumene" Auftrieb gegeben. Das machten jetzt Pfarrer Udo Arnoldi und Alexander Still vom Presbyterium in einem Gespräch klar. Dabei war auch der demografische Wandel in der Neheimer Gemeinde ein Thema.

Neheim. Die evangelische Kirchengemeinde hat das Jubiläumsjahr zu 500 Jahren Reformation mit den letzten Veranstaltungen abgeschlossen. Prägend für die vergangenen Wochen und Monate waren die Veranstaltungen und Termine zur Kräftigung der Ökumene im Kirchenbezirk. Bei einem Gespräch zum Rückblick auf das Kirchenjahr ließen Pfarrer Udo Arnoldi und Presbyteriumsvorsitzender Alexander Still aber auch die demografischen Sorgen der evangelischen Kirchengemeinde nicht unerwähnt.

„In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Gemeindemitglieder um 12 Prozent zurück gegangen“, stellte der Vorsitzende des Presbyteriums, Alexander Still, beim Jahrespressegespräch der Gemeinde vor. Die Demografie einerseits, aber auch der Wegzug aus Neheim andererseits habe seine Spuren im Gemeindeleben hinterlassen. Letztendlich habe man in Neheim mehr Sterbefälle als evangelische Taufen in den letzten Monaten zählen müssen, was sich direkt auf das Leben in der Gemeinde ausgewirkt habe.

Zeitgleich dazu sieht sich die Gemeinde in Neheim von den personellen Entwicklungen beeinflusst. Mit dem Weggang der ehemals in Neheim tätigen Pastorin Elisabeth Pakull ist die Arbeit nicht weniger geworden. Zwar wurde bereits im Mai des Jahres mit Gabriele Hirsch eine Nachfolgerin gewählt und für die Arbeit in der Gemeinde gewonnen, sie wird – bedingt durch eine Erkrankung – wohl erst im Frühjahr 2018 ihren Dienst in der Gemeinde im Rahmen einer halben Stelle voll aufnehmen können. Wie es mit der pastoralen Versorgung in der Gemeinde weiter geht ist ungewiss: Pfarrer Arnoldi rechnet damit, dass es in den nächsten 10 bis 15 Jahren nur noch Perspektiven für eine Pfarrstelle in Neheim geben könnte.

Um langfristig die nötigen diakonischen Bedürfnisse und Angelegenheiten in der Gemeinde erledigen zu können, setzt man in der Neheimer Gemeinde auf ein noch junges Projekt: Im Rahmen der Mitarbeitergewinnung ist die Stelle einer so genannten Gemeindeschwester ausgeschrieben, für die es bereits die ersten Bewerbungen gebe. Die Gemeindeschwester soll eine dreijährige berufsbegleitende Ausbildung bekommen uns sich dann für sechs Stunden wöchentlich in der Gemeinde als Netzwerkerin in verschiedenen Bereichen beweisen.

„Das neue Gemeindehaus erfreut sich derweil großer Beliebtheit“, stellte Alexander Still klar. Rund eineinhalb Jahr nach der Eröffnung seien die Räume an der Christuskirche in Neheim über einen längeren Zeitraum bereits ausgebucht und als Versammlungsfläche sehr gefragt. Schon seit Jahren beschäftigt die Gemeinde aber die Situation der anderen Immobilien. So will man über kurz oder lang nun das zweite Pfarrhaus an der Pauluskirche (Graf-Gottfried-Straße) verkaufen und auch eine Entscheidung über die eigentliche Pauluskirche sei noch nicht gefallen, so Still. Mit der Entscheidung für die Christuskirche als Zentrum der Gemeinde könnte auch die Trennung von der Pauluskirche eine mögliche Option sein. „Dann können wir uns auch endlich wieder mehr um die Inhalte kümmern“, so Dr. Udo Arnoldi.

500 Jahre Reformation sind 2017 in der evangelischen Kirchengemeinde Neheim vor allem im Zeichen der Ökumene begangen worden. „Ökumene ist für uns hier vor Ort inzwischen Alltag“, machte Dr. Arnoldi klar. So seien es nicht nur die rund 700 konfessionsverbindenden Ehen in der Gemeinde, bei denen die Partner entweder dem katholischen oder dem evangelischen Glauben angehört. Auch die Zusammenarbeit der beiden großen Kirchen in Neheim habe gute Früchte getragen. Davon zeugten gegenseitige Besuche zu verschiedenen kirchlichen und gesellschaftlichen Anlässen oder regelmäßige ökumenische Treffen im Jahr. Gastfreundschaft auf beiden Seiten und Veröffentlichung von Artikeln oder Grußworten in den Publikationen der jeweils anderen Gemeinde trügen ihren Teil dazu bei. „Wir haben die Ökumene so auf eine breite Basis stellen können“, freute sich Pfarrer Arnoldi. Mit dem Versuch, einen neuen ökumenischen Bibelkreis einzurichten, wolle man die Idee der Ökumene in Zukunft weiter mit Leben füllen.

Mit Blick auf das Reformationsjubiläum zieht Pfarrer Dr. Udo Arnoldi eine positive Bilanz. So habe es mit der Kanzelrede der ehemaligen Arnsberger Regierungspräsidentin Diana Ewert in der Christuskirche und anschließender Diskussion über Luther-Thesen einen perfekten Start gegeben. Auch eine im Mai veranstaltete große Sitzung mit vielen an der Ökumene beteiligten Menschen habe das Gemeindeleben im Lutherjahr bestärkt. (Frank Albrecht)