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Michael-Grundschüler beginnen Schulstunden mit Meditation: Zehn Minuten Stille und Geradesitzen – bitte!

Es geht auch anderes: An der Neheimer St. Michael-Grundschule beginnen die Schülerinnen und Schüler ihren Tag nicht mit Druck, sondern mit Meditation. Die Schule hat sich von einer Idee begeistern lassen, die einige Wochen lang getestet wurde.

Neheim. „Schön, dass Du da bist“, begrüßt Nese Niekrens die Schülerinnen und Schüler der Klasse 4a der Neheimer St. Michael-Grundschule. Nicht jeden einzeln, aber sie spricht es so, dass sich jeder persönlich angesprochen fühlen kann. Niekrens ist Yoga-Lehrerin sowie Meditationskursleiterin und betreut an der Schule derzeit einen ungewöhnlichen Test: Schon seit Tagen startet die Klasse ihren Schultag mit einer Meditation. 

Die Yoga-Lehrerin hatte Anfang des Jahres Kontakt zur Schule aufgenommen und ihre Idee von der Meditation vorgestellt. „Wir waren sofort interessiert“, sagt Schulleiterin Brigitte Bracht, und nach der Vorstellung der Idee im Kollegium hat man die Klasse 4a ausgesucht, diesen Versuch mitzumachen. Schließlich, so Bracht, halte man die Meditation für die Kinder durchaus geeignet. Fünf Mal in der Woche für jeweils zehn Minuten erhalten die Schüler derzeit einen anderen Start in den Tag an der Schule. Dafür hatte es mit den Kindern zunächst auch eine entsprechende Eingewöhnung durch Yogalehrerin Niekrens gegeben. 

Spezielle Eingewöhnung mit Schulkindern 

Das Angebot passe gut in das schulische Konzept, bei dem Gesundheit eine wichtige Rolle spiele, erklärt die Schulleiterin im Gespräch. Von einigen Krankenkassen habe man schon Informationen zu verschiedenen Präventionsprogrammen für Schüler bekommen, und ein gesundes Frühstück ist an der Schule schon lange ein Thema. Dreimal in der Woche läuft das Schulobst-Programm – zu den Äpfeln und Möhren kommt derzeit eben noch Meditation. 

Die Schüler der Klasse 4a haben sich schnell daran gewöhnt: Sie begrüßen die Yogalehrerin Nese Niekrens gemeinsam und werden dann schnell ruhig – die meisten jedenfalls. Gerade sitzen sollen sie und die Hände auf die Oberschenkel legen. Das, so Niekrens, sei die für die räumliche Situation im Klassenzimmer geeignete Meditationshaltung, Matten ausrollen funktioniert hier natürlich nicht! Die Kinder werden daran erinnert, sich auf den Atem zu konzentrieren und nur im Geiste zu reden. Bei den Mädchen in der Klasse scheint es etwas besser zu funktionieren als bei den Jungen. Da haben einige doch so ihre Probleme, das ungewöhnliche Projekt als „ihres“ zu akzeptieren und dabei nicht zu reden. 

Ungewöhnliches Projekt akzeptieren 

„Es klappt aber immer besser“, sagt Schulleiterin Bracht, die in ihrer Klasse an jeder Meditationssitzung teilnimmt und dabei auch selber die wohltuende Wirkung spürt. Und dass es diese wirklich gibt, davon ist man gemeinsam überzeugt. Nese Niekrens ist gelernte Krankenschwester und hat sich zur Yogalehrerin und Meditationskursleiterin weitergebildet. Sie betreibt ein eigens Yoga-Studio. Von der Idee, den Tag mit Meditation zu beginnen, ist sie überzeugt. „Das bringt den Kindern durch bewusste Ruhe mehr Kraft zum Lernen“, erklärt sie. Auf jeden Fall ist es etwas anders, als wenn sie sich nur auspowerten... 

Wie wichtig die Ruhe sei, dass könne sie in ihrem Umfeld sehen. Kinder, so Niekrens, haben eigentlich nie Ruhe. Wenn es nicht die Medien wie Handy oder Fernsehen sind, die Einfluss auf das Leben haben, kämen schon bei den Jüngsten Zeit- und Terminstress durch verschiedene außerschulische Aktivitäten dazu. Bei den Kindern der Schule habe es bereits positive Rückmeldungen gegeben, die zeigen, dass Kinder bereit sind, sich auf die Meditation einzulassen. Über einen Zeitraum von vier Wochen läuft das in dieser Testphase kostenlose Angebot für die Schüler der 4a. „Wenn wir es danach noch weiter unseren Schülerinnen und Schülern anbieten wollen, müssen wir aber nach finanziellen Unterstützern suchen“, so Schulleiterin Brigitte Bracht. Das würde auch die Yogalehrerin begrüßen. Denn die Nachfrage der Kinder zeige, dass man mit diesem Angebot auf dem richtigen Weg sei.